Zur Haltbarkeit von Röhren ...
Verfasst: Di 23. Sep 2008, 20:34
Musicconnection schreibt zum Thema:

Ein schöner und plausibler Vergleich, finde ich ...Röhrenverschleiß - Dichtung und Wahrheit
Eine der am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Röhrenverstärker und oft die größte Sorge der Besitzer: Wie lange hält eine Röhre?
Diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten.
Zunächst sollten wir unterscheiden zwischen Ausgangs- oder Leistungsröhren und Kleinsignalröhren (Treiber- und Eingangsröhren)
Bei Leistungsröhren hängt der tatsächlich eintretende Verschleiß der Röhre (Emissionsverlust) vom Arbeitspunkt der Röhre ab.
Der Arbeitspunkt definiert die Betriebsdaten einer Röhre. So ist es ein Unterschied, ob eine Röhre am Rande ihrer Möglichkeiten betrieben wird oder in einem moderaten Arbeitspunkt.
Vergleichen Sie es mit Ihrem Auto. Auch hier ist es für die Lebensdauer des Motors ein Unterschied, ob sie Drehzahlen nahe am roten Bereich bevorzugen oder moderate Drehzahlen wählen
In Endstufen mit hoher Ausgangsleistung werden Endröhren gerne im Maximum des Machbaren betrieben. Für eine so betriebene Röhre wird in einschlägiger Literatur eine durchschnittliche Lebensdauer von 1000-3000 Stunden angegeben.
Diese Werte werden in der Praxis nach unseren Erfahrungen auch erreicht, meist noch übertroffen.
Die Lebensdauer einer Röhre hängt auch vom Verhalten des Benutzers ab. Eine Röhre, die sehr oft an- und ausgeschaltet wird, wird schneller verschleißen als eine Röhre, mit langen Betriebszyklen. Vergleichen Sie es mit einem Verbrennungsmotor, der entweder nur im Kurzstreckenverkehr oder aber nur im Langstreckenbetrieb eingesetzt wird.
Ein weiterer Auto-Vergleich: Ein moderner PKW-Motor hat eine Lebensdauer von ca. 200.000km (Modelle aus der Röhrenära mit viel Grück 100.000 km) Bei einer angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 80km/h (das ist durchaus realistisch) entsprechen 200.000km einer Betriebsdauer von 2500 Std.
Daß zum Erreichen dieser Lebensdauer erhebliche finanzielle Aufwendungen in Form von Inspektionen und darüber hinaus auch außerplanmäßigen Werkstattaufenthalten in Kauf genommen werden müssen, ist hinlänglich bekannt, manchem jedoch in dieser Form nicht bewusst. Nebenbei sei auch erwähnt, daß das Auto nach diesen 2500 Stunden Betrieb reif für den Schrott ist, der Wert also gleich Null ist. Wer mag, errechne den Stundenbetriebspreis, der allein durch Wertverlust und Wartung entsteht. Es ist mehr als das Benzin für eine Stunde Betrieb verschlingt. Andere Betriebskosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Zurück zur Röhre:
So gesehen, ist selbst eine am Limit betriebene Endröhre oder Endstufe geradezu anspruchslos.
Nicht am Limit betriebene Endröhren sind erheblich langlebiger, ca. 5.000-10.000 Betriebsstunden.
Uns sind Röhren bekannt, die selbst nach 10 Jahren täglichem Betrieb von ca. 3 Std. (entsprechend ca. 10.000 Stunden) keinerlei Emissionsverlust erkennen lassen.
Die meisten Röhren"schäden" (nicht Verschleiß) haben ihre Ursache in Peripheriebauteilen. So kann z.B. ein Elektrolytkondensator im Laufe der Jahre an Kapazität verlieren. Dies passiert schleichend, so daß der Benutzer lange Zeit keinerlei Hinweise für einen Defekt erhält. Dieser Kapazitätsverlust kann zu einer Arbeitspunktverschiebung führen, die einen für die Röhre zu hohen Ruhestrom zur Folge hat. Auch dies äußert sich erst in fortgeschrittenem Stadium hör- oder sichtbar. Die Röhre jedoch verschleißt rapide.
Solche Defekte werden gerne den Röhren zugeschrieben obwohl letztlich andere Ursachen vorliegen. Der geschilderte Kapazitätsverlust ist keine röhrentypische „Krankheit", sondern tritt auch bei betagten Transistorverstärkern auf, auch hier möglicherweise mit Folgeschäden.
Kleinsignalröhren halten noch wesentlich länger als Leistungsröhren, so sind uns viele Geräte bekannt, deren Kleinsignalröhren auch nach 20 Jahren noch wie am ersten Tag spielen.
Die allgegenwärtigen Sorgen oder Einwände, eine Röhre sei ein anfälliges Verschleißteil, sind nahezu unbegründet.
Auch Unkenrufe über mangelnde Zuverlässigkeit von Röhrengeräten müssen relativiert werden.
Die meisten Ausfälle von Röhren bzw. Röhrenverstärkern enden in einem Röhrendefekt (Ein plötzlicher Defekt hat nichts mit Verschleiß zu tun). Das kommt sehr selten vor (weniger als 1% aller Röhren sterben einen plötzlichen Tod)
In über 90% dieser wenigen Fälle ist die Reparatur mit dem Austausch der defekten Röhre erledigt.
Bei den ach so zuverlässigen Transistorverstärker zieht ein Transistordefekt (kommt auch nicht seltener vor als ein Röhrendefekt) gerne viele weitere Bauteile mit ins Grab, so daß eine aufwändige und teure Fehlersuche unerlässlich ist. Nicht selten brennen ganze Platinenbereiche ab, so daß ein Totalschaden die Folge ist.
Darüber hinaus sind Röhrenverstärker mit Ausgangsübertrager prinzipbedingt kurzschlussfest, Transistorverstärker sind es oft nicht oder benötigen hierfür eine meist klanglich relevante (natürlich negativ relevant) Schutzschaltung.
In der Praxis kann also von Unzuverlässigkeit der Röhrengeräte keine Rede sein.
Besorgten Röhrenverstärker-Eignern raten wir dazu, die Röhren ca. alle 2 Jahre prüfen zu lassen.